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31. Oktober - Reformationstag

Martin Luther - 95 Thesen
Martin Luther - 95 Thesen

Freiheit und Nächstenliebe

... aus dem "Wort zum Sonntag" von Matthias Hartmann,
Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Gießen

Ob Martin Luther seine 95 Thesen am 31. Oktober 1517 wirklich an die Kirchentür in Wittenberg genagelt hat oder ob er seine Gedanken auf anderem Weg verbreitet hat, ist nicht so wichtig. Bedeutend bleibt: Mit seinen kirchenkritischen Gedanken begann ein Zeitalter von Reformen, mit Veränderungen in der Kirche, in der Gesellschaft und in der Politik.
Freiheit und Demokratie haben ihre Ursprünge in dem Protest Luthers gegen die Verhältnisse in der Kirche vor rund 500 Jahren. Daran erinnert der Reformationstag. Aber, er ist nicht Anlass für eine Geburtstagsfeier, an dem sich die evangelische Kirche selbstzufrieden zurücklehnen darf. Allein deshalb, weil nach Luther sich die Kirche in evangelisch und katholisch getrennt hat.
Der Reformationstag stößt selbstkritische Fragen an: Was hat die Kirche den Menschen heute zu sagen? Wo steht sie ihnen bei? Wovon lässt sie sich leiten? Welche Rolle spielt dabei Gottes Wort?
Mit einer Meile der »Kirche und Diakonie« im Gießener Seltersweg geht die Evangelische Kirche am kommenden Freitag, dem Reformationstag, in die Öffentlichkeit. Soziale Einrichtungen der Kirche wie das Diakönische Werk, die Jugendwerkstatt oder »Die Tafel« informieren unter dem Motto »Glaube und Handeln« Passanten über ihre Arbeit.
Sie zeigen, dass die Kirche nicht als bloßer Selbstzweck bestehen darf, sondern für die Welt da sein muss. Ihr Auftrag besteht darin, gut von Gott zu reden und den Menschen Gutes zu tun. Christen sprechen von Nächstenliebe. Erst vor Kurzem hatte das Diakonische Werk gemahnt, die soziale Not in Gießen wird größer. Dass sich Armut im nach wie vor reichen Deutschland verfestigt, dass mit der Hilfe für Arbeitslose durch Hartz IV manches noch schlimmer wird, unterstreicht die Notwendigkeit kirchlicher Sozialarbeit auch in unserem Sozialstaat. Die Evangelische Kirche und das Diakonische Werk gestalten auf der politischen Ebene Sozialpolitik mit und wollen Ungerechtigkeiten beseitigen. Und doch bleiben Einrichtungen wie die »Jugendwerkstatt« zur Qualifizierung arbeitsloser Jugendlicher oder »Die Tafel« zur täglichen Unterstützung Bedürftiger notwendig.
Für Martin Luther war die Freiheit verbunden mit der Pflicht, dem Nächsten als »dienender Knecht« mit Taten der Liebe zu begegnen. Der gesellschaftliche Auftrag der Evangelischen Kirche und ihrer Einrichtungen fußt im christlichen Gebot der Nächstenliebe wie auch dem Gedankengut der Reformation. Deshalb bleibt der Mann, der vor 500 Jahren gewirkt hat, für die Kirche im 21. Jahrhundert richtungweisend.

Lesen Sie die 95 Thesen von Martin Luther auf der Seite der EKD.